"Warum lässt sich das traditionelle Jurtenbaukonzept der Mongolei

nicht 1:1 nach Europa übertragen?"

 

Ohne Modifikation des jahrhundertealten Jurtenbau-Aufbaues ist man unweigerlich mit dem Thema 'Beherrschung der Luftfeuchtigkeit' konfrontiert. Problematisch wird die Situation, wenn in Räumen oder Dämmmaterialien(!) Feuchtigkeit dauerhaft steht. Dies kann z. B. zur kalten Jahreszeit auf einer kalten, schlecht gedämmten Jurten-Innenseite in nördlicher Richtung passieren. Ist diese nach modernen Maßstäben gedämmt, wird dann auf der Wandinnenseite bzw. im Dämmmaterial die feuchte Luft auch nicht kondensieren und damit als Wassertropfen ausfallen - und wird damit eine allfällige Schimmelbildung erfolgreich verhindert.

 

Bis vor wenigen Jahren war Regen und feuchtes Klima für die Mongolei kein Thema. Daher waren auch traditionell keine technischen Grundlagen notwendig um mit Feuchtigkeit, etc. bestmöglich umgehen zu können. Gerade durch den Klimawandel ist das Wetter in der Mongolei nun weitaus niederschlagreicher geworden: Damit gerät das bisherige Konzept der Dämmung mit Filz deutlich an seine Grenzen; der Filz kann nicht mehr richtig trocknen und wird dann schimmelanfällig. Somit sind die Nomaden in der Mongolei heute selbst gefordert, das bisher bewährte Konzept fortzuentwickeln (wenn nicht überhaupt die Nomaden-Kultur selbst bald schon Geschichte sein wird).

 

Die Jurte in ihrem 4. Winter
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Jänner 2015: Ein Update zum Thema Schneelast

Jurte Dach Winter Schnee Schneelast heizen
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Immer wieder werde ich auf das Thema Schneelast angesprochen. Bei manchen Nutzern einer Jurte steht die Jurte im Winter auch einige Tage unbeaufsichtigt - somit ist nicht gewährleistet, dass der Schnee immer gleich vom Dach entfernt wird.

"Es wäre doch fein, wenn Schnee oder Eis vom Dach automatisch abtauen würde! Dann wäre die statische Belastung durch Schnee und Eis kein Thema mehr!"

 

Dazu habe ich im Winter 2014/15 mehrere technische Lösungen im Dach der Jurte getestet.

 

Das hat sich gelohnt: Es steht nun auch das Know-How für eine sensor- gesteuerte Dachflächenheizung zur Verfügung. Die Sensoren messen dabei Feuchtigkeit und Außentemperatur. Der nächste Schnee kann nun kommen - die rundes Leben-Lurte wird damit nicht mehr belastet!

 

Thema Schneelast

Die Jurten in der Mongolei mussten nie Schneelasten widerstehen. Im Altai steht die Jurte generell nur dort, wo kein Schnee fällt. Beginnt es zu schneien, hat die Familie sofort zu entscheiden, ob abgebaut oder noch etwas zugewartet wir (weil der Schneefall gleich wieder aufhört). Denn, wenn der Schnee liegen bleibt, gibt es kein Futter für die Weidetiere, und bleibt das länger so, müssen sie verhungern. Daher werden im Winter Jurten traditionell nur in solchen Höhenlagen aufgestellt, wo wenig oder kein Schnee zu erwarten ist. Damit ist die Jurte grundsätzlich schneefrei zu halten. In diesem Sinne sollte die Jurte im Winter immer 'beaufsichtigt' werden.